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Interview zur Hebammengeleiteten Geburt

KSOW, 09.06.2020

ERFAHRUNGSBERICHT VON TANJA MASUNIC

Am 15.11.2019 kam Ihre Tochter Raja im Kantonsspital Obwalden zur Welt. Sie haben sich für eine hebammengeleitete Geburt entschieden. Wie kam es dazu, dass Sie diese Wahl getroffen haben?
Meine Freundinnen, die ebenfalls vor kurzem ein Baby bekommen haben, haben mir das Kantonsspital Obwalden empfohlen. Ich wollte für die Geburt meines zweiten Kindes möglichst in der Nähe meiner Familie bleiben. Da das KSOW jetzt Einzelzimmer für Mütter mit Baby anbietet, war für mich rasch klar, dass ich mein Baby im Kantonsspital Obwalden gebären wollte.

Auf die Möglichkeit der hebammengeleiteten Geburt hat mich die Hebamme in einem Vorgespräch aufmerksam gemacht. Anschliessend habe ich die Broschüre über die hebammengeleitete Geburt gelesen und mit meinem Partner Rafael über diese Möglichkeit gesprochen. Und auf einmal fand bei mir ein Umdenken statt. Ich dachte mir: «Wieso nicht?» Dieser Prozess hat jedoch einige Tage gedauert. Rafael hat mich dabei sehr ermutigt. Männer sind ja eher etwas pragmatischer. Er meinte, «der Arzt ist ja gleich nebenan, sollte etwas sein». Das hat mich überzeugt, dass ich für die Geburt meines Babys nicht mehr als eine Hebamme brauche. Natürlich gibt es einem eine enorme Sicherheit, wenn man weiss, dass bei Komplikationen sofort ein Arzt und auch die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung steht. Für mich ist es die ideale Mischung aus Spital und Geburtshaus. Denn ehrlich gesagt, eine Geburt im Geburtshaus war für mich persönlich dann doch keine Option.

Raja ist Ihr zweites Kind. Was haben Sie sich für diese zweite Geburt erhofft? Und haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?
Ich hatte bewusst keine Erwartungen an die Geburt. Im Nachhinein kann ich aber sagen, dass es ein sehr bewegendes Erlebnis war. Durch die hebammengeleitete Geburt war mein Partner viel mehr gefordert und mit einbezogen. Wir waren zu dritt im Geburtssaal und «arbeiteten» sozusagen als Team. Dass er mithelfen konnte, empfinden wir als eine schöne und emotionale Erfahrung. Mir war es wichtig, dass Raja nicht gleich von der Nabelschnur getrennt wird. Die Hebamme Rita Lang hat nach der Geburt die Plazenta eingepackt und neben Raja hingelegt. Die Worte von ihr berührten mich sehr. Sie sagte nämlich: «Raja, nimm alles was du brauchst und gib das ab, was du nicht mehr willst». Für mich war das ein sehr schöner Gedanke. Die Atmosphäre im Geburtssaal erschien meinem Partner und mir sehr entspannt, wir reden heute noch davon und sind begeistert.

Wie war die Zeit vor, während und nach der Geburt?
Mein Partner und ich fühlten uns stets gut aufgehoben, sowohl bei den Voruntersuchungen, als auch danach. Durch den vorzeitigen Blasensprung war ich mehrere Stunden vor der Geburt im Spital. Die ganze Zeit über wurde mir Raum für meine Wünsche gelassen. Mein Vertrauen war so gross, dass ich zwischen den Kontrollen wieder nach Hause ging. Da mehr als 24 Stunden seit dem Blasensprung vergangen waren, mussten wir die Geburt schlussendlich einleiten. Auf diese Möglichkeit bzw. Notwendigkeit wurde ich aber sehr gut vorbereitet. Frau Lang leitete mich durch die Geburt und motivierte mich sehr. Sie liess mir Zeit, mein Kind und auch die Nachgeburt selber zu gebären. Diese Zeit wurde mir über die ganze Geburt hinweg gegeben. Mein grosses Kompliment geht auch an das Pflegepersonal, alle erschienen mir sehr kompetent. Die ganze Zeit über wurde mir Raum für meine Wünsche gelassen. Mein Vertrauen war so gross, dass ich zwischen den Kontrollen wieder nach Hause ging.

Wie war die Beziehung zur Hebamme Rita Lang, die Sie bei Ihrer Geburt begleitet hat?
Während der langen Geburt meines ersten Kindes Niko begleiteten mich damals drei Hebammen, somit wollte ich mich nicht von Anfang an auf eine bestimmte Person festlegen. Ich hatte Vertrauen, dass wir mit den Hebammen im KSOW eine gute Beziehung haben. Sie alle haben eine hohe Empathie. Die ruhige und entspannte Art von Rita Lang gab mir dann auch grosse Sicherheit. Man kann in der Tat sagen, Frau Lang hat uns durch die Geburt getragen. Ihre Worte waren mir während der Geburt sehr präsent. Sie leitete mich durch die Geburt und motivierte mich mit positiven Worten.

Hatten Sie jemals Angst, dass es nicht ohne Arzt klappt?
Schon bei der Geburt meines ersten Kindes hatte ich ein starkes Urvertrauen, dass alles gut wird. Dennoch war es speziell zu wissen, bei Raja lediglich von einer Hebamme betreut zu werden.

Würden Sie die hebammengeleitete Geburt weiterempfehlen?
Ich würde die hebammengeleitete Geburt jeder Frau, die spontan gebären kann und will, klar weiterempfehlen.


FRAGEN AN HEBAMME ESTHER WASER
Was ist der Unterschied zu einer «normalen» Geburt?
Grundsätzlich führen wir mit jeder Frau über eine Stunde ein Gespräch und schauen, welche Vorstellungen die Frau hat und was physiologisch möglich ist. Wir fragen nach den Wünschen und den Ängsten der Frau. Wir klären ab, welche Vorbereitungen bereits getroffen wurden und ob es medizinische Indikationen gibt, die gegen eine hebammengeleitete Geburt sprechen. So möchten wir die Frau möglichst gut kennen lernen.

Ist es richtig, dass diese Art der Geburt nur bei absolut normal verlaufenden Schwangerschaften gemacht werden kann?
Wenn eine Frau eine Schwangerschaftsdiabetes entwickelt oder in der Vergangenheit eine problematische Geburt hatte, dann spricht dies gegen eine hebammengeleitete Geburt. Eine Beckenendlage, ein sehr grosses Baby oder wenn das Kind gegen Ende der Schwangerschaft nicht mehr gut wächst, sind ebenfalls Indikatoren, die gegen eine hebammengeleitete Geburt sprechen. Und: viele Frauen möchten bei der Geburt einen Arzt dabeihaben. Darauf nehmen wir selbstverständlich Rücksicht.

Das Kantonsspital Obwalden hat im Gegensatz zu anderen Kliniken eine tiefe Kaiserschnitt-Rate. Warum ist das so?
Wir führen dies darauf zurück, dass wir jede Frau bei der Geburt 1:1 betreuen. Keine Hebamme betreut zeitgleich zwei Frauen unter der Geburt. Wir versuchen, die Geburt zusammen mit den Frauen zu gestalten. Entsprechend haben wir auch eine relativ tiefe Rate an PDA’s. Wir arbeiten nach dem Motto: «Hilf mir, es selbst zu tun!»

 
Hebammengeleiteten Geburt

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